Mountainbiken am größten Eisgletscher der Alpen

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Mountainbike am Aletsch Gletscher

Die Hölle der Walliser ist eiskalt. Kein Fegefeuer lodert, um die Schweizer ihre Sünden bezahlen zu lassen. Zur Läuterung werden sie stattdessen mit bloßen Füßen in den eisigen Massen des Aletschgletschers festgefroren – soweit die Sage. Doch auch wenn den Einwohnern am Fuße der Eiswüste bei dieser Vorstellung ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft, suchen Sie immer wieder die Nähe des gefrorenen Massivs auf. So auch der Bergführer Kilian Volken aus dem Städtchen Fiesch.  Nach einem schweren Bergunfall konnte er nicht mehr zu Fuß zum Gletscher aufsteigen. Er sattelte um und verlegte sich fortan aufs Marathonbiken. Mindestens einmal pro Woche radelt der 47jährige Ausdauerspezialist zum Breithorn hinauf. „Wenn ich da oben stehe und das Eis des Aletschgletschers in der Sonne blitzt, vergesse ich einfach alles“, beschreibt er seine Lieblingsetoppe.

Doch was für den viermoligen Cristolp und Swiss-Bike-Masters Finisher einen kurzen Ausflug in sein Paradies bedeutet, kann für Untrainierte schnell zur Hölle werden. Denn die Oberschenkel erinnern sich problemlos noch Tage später an die 1 600 Höhenmeter, die an einem Stück erfahren werden wollen. Die Region rund um Fiesch, dem Spotguide-Ausgangspunkt, ist was für zähe Hunde, die keine noch so harten Anstiege fürchten.

Aletsch Gletscher MTB

Biker Herzen schlagen höher – Blick auf den Aletsch Gletscher

Denn das Goms, so der einheimische Name des Fieseher Talabschnitts, ist im Gegensatz zum südwestlichen Teil des Rhonetales schmal, und alle Traumtouren sind daher mit Kletterei verbunden.
Vor jedem paradiesischen Ausblick auf den Aletschgletscher und die schneebedeckten Spitzen des Berner Oberlandes liegt ein schweißtreibender Anstieg von mindestens 1 000 Höhenmetern.
Sanft gewellte Cruiserfreuden bietet nur die Rotten-Route entlang der Rhone, die sich bis ans Talende nach Oberwald schlängelt. Biker, die auch bei ein paar Höhenmetern mehr noch keine kalten Füße bekommen, finden in Fiesch ein Paradies das seinesgleichen sucht. Die Natur rund um den größten Gletscher der Alpen zählt zu den eindrucksvollsten Landschaften der Schweiz. Auch die 22 kleinen Orte können sich sehen lassen – mit ihren getünchten Kalksteinfossaden und dunklen, geschnitzten Holzbalken gelten sie bis heute als die schönsten und besterhaltensten Dörfer des
Landes. Die insgesamt 38 offiziell genehmigten Bike-Routen sind so gut ausgeschildert, daß kaum einer der vornehmlich aus der Schweiz und aus Deutschland kommenden Gäste nach einem
Tourenführer verlangt. Das hervorragend gepflegte Wegenetz, das bereits römische Legionen, bernische Heerhaufen und napoleonisehe Regimenter für ihre Unternehmungen nutzten, zählt nicht
nur für Biker zu den wertvollsten Schätzen des Landes. Dem Streß mit Wanderern haben die Gomser aber von Anfang an einen Riegel vorgeschoben: Wanderer und Biker gehen getrennte Wege.
Im Goms kein Problem, denn die Gegend strotzt vor Pfaden und Trails. Im 13. Jahrhundert hatten die Vorfahren der Walliser Hunderte von Routen in den Berge getrampelt, um sich vor der Söldnerrekrutierung gieriger Feudalherren in Sicherheit zu bringen. Später kamen etliche Militärwege, Handelspfade und Schmugglerrouten hinzu und legten den Grundstein für eine schier unerschöpfliche Spielwiese für Biker.

Auch der fanatische Ehrgeiz der Bergsteiger hat zur Verwirklichung des Bikertraums beigetragen. Der geschäftstüchtige Gastwirt Alexander Wellig errichtete im Jahr 1856 am Panoramagipfel
des Eggishorn das Hotel Jungfrau. Das damals für wohlhabende Gipfelstürmer gebaute Hotel brannte 1972 komplett nieder – der ehemalige Anfahrtsweg über Lax nach Kühboden und Fieseheralp
stellt heute eines der Highlights für Mountainbiker: Die Aletschgletscher-Tour hinauf zum malerischen Märjellensee. Versteckte Pfade schlängeln sich durchs Unterholz, breite Schotterwege winden sich über Bergpässe, und felsige Singletrails stürzen auf der anderen Seite wieder talwärts. Der felsige Untergrund hat natürlich auch seine Tücken: An Regentagen verwandeln sich vormals harmlose Pfade in tückisch Rutschbahnen. Coole Routen und erstklassige Ausblicke gibt es in Fiesch und Umgebung jedenfalls satt. Ob die Touren rund um den Gletscher zur Hölle werden oder zum paradiesischen Erlebnis, hängt ganz allein vom Trainingszustand ab.

Video Mountainbike am Aletsch Gletscher

Bilder Mountainbike am Aletsch Gletscher

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Mountainbike am Aletsch Gletscher - mit dem Mountainbike unterwegs im Oberwallis ist ein unbeschreibliches Naturerlebnis. Speziell im Aletsch- das Simplongebiet warten unzählige Bikerouten auf Biker. Das UNESCO Weltkulturerbe Aletschgebiet bezeichnet die Region rund um den 23 km langen Aletschgletscher, der längsten Gletscherzunge Europas, im Kanton Wallis in der Schweiz. Und mit dem Simplongebiet ist die Region um den Simplonpass gemeint, der von vielen als der schönste Pass der Alpen bezeichnet wird. Seit Jahrhunderten ist Simplonpass ein für das Wallis wirtschaftlich und politisch wichtiger Grenzübergang.

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