Mountainbiken im Wilden Kaiser in Tirol

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Ein Starker Typ – der Wilde Kaiser

Nächtliche Schatten weichen dem wärmenden Rot der aufgehenden Sonne. Auf den Wiesen im Tal liegt ein Hauch von Rauhreif, der zu kleinen Wassertropfen schmilzt. Wenig später funkeln sie im Licht wie die Schaufensterauslage von Tiffany. Wabernde Dunstschwaden klettern an fast endlosen Felswänden empor. Und dann betritt seine Majestät die Szenerie dieses morgendlichen Schauspieles. Er ist ein schroffer Typ, der Kaiser, abweisend und despotisch auf den ersten Blick. Doch wer sich auf ihn einläßt, wird seine zahlreichen Facetten schätzen lernen. Wenige Kilometer hinter der Österreichischen Grenze baut sich das felsige Kaisermassiv in einer hügeligen Landschaft auf wie ein Stück Dolomiten, das im Bauplan der Evolution an der falschen Stelle eingezeichnet wurde. Doch während sich der Biker in den Kalkfelsen Italiens auf harten, schroffen Trails quält, um die weiten Ausblicke zu genießen, kann er um den Wilden Kaiser königlich entspannt cruisen, Panorama-Garantie inklusive. Wer dem Kaiser allerdings ganz dicht auf die Pelle rücken will, der sollte im Winter ein bißchen den Oberkörper trainieren.

Das behauptet zumindest Rudi Vallaster, unser einheimischer Guide. Der Bergwachtler, Alpinist und begeisterte Biker kennt hier jeden Trail, jeden Steig und beinahe jeden Stein. „Da hinten ist das Stripsenjoch“, ruft Rudi und weist mit ausgestrecktem Arm in Richtung des markanten ten und tief eingeschnittenen Kaiserbachtals, das mitten in das Gebirgsmassiv hineinführt: „Es gibt immer wieder Leute, die mit dem Bike dort rüber wollen, Richtung Kufstein ins lnntal. Da geht‘ s aber erst 500 Höhenmeter hinauf und dann auf der anderen Seite wieder runter. Mit dem Rad auf dem Buckel, versteht sich. Es sei denn, man heißt Hans Jörg Rey.“ Rudi erspart uns die Kraxelpartie  und zeigt uns lieber andere Touren-Highlights rund um das gemütliche Örtchen Kirchdorf, gleich zu Füßen des Wilden Kaisers. Auch da gibt es knifflige Trialpassagen, allerdings eine Nummer harmloser. Zwischen den Kaiseralmen und der Maukalm führt ein zickiger Trail unterhalb der Steilwand entlang zur Maukspitze. Freiliegende Latschenwurzeln und kindskopfgroße Felsstücke schnappen hier nach dem Kettenblatt wie Pittbullterrier, Sumpflöcher versuchen die Vorderräder zu verschlingen.

Wilder Kaiser Mountainbike

Das Kaisergebirge bei Ellmau (c) TVB Wilder Kaiser

Der Wilde Kaiser erhebt sich schroff aus den sanften Hügeln des Umlands

Da heißt es, Augen auf im Trailverkehr. Aber nicht nur wegen der heimtückischen Streckenführung. Denn wer Zeit findet, den Blick vom Vorderrad zu lösen, dem bieten sich immer wieder traumhafte Ausblicke. Zum Beispiel auf den Hahnenkamm, den Hausberg der Schicki-Micki-Zentrale Kitzbühel. Der als Streif vielleicht bekannteste Skiabfahrtsberg der Alpen sieht von hier sanft aus wie ein Hügel im Legoland. Dabei bereitet er Skifahrern sonst gerne Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen – je noch Fahr- und Fallkönnen. Gleich gegenüber erhebt sich das Kitzbüheler Horn. „Der Alptraumberg eines jeden Alpinisten“, meint Rudi. „Seilbahn, Mautstraße und abertausend Leute. Da gibt es Besseres.“ Er zeigt in östliche Richtung: „Dort drüben, die Angerlalm, das ist unser Hausberg. Keine Rotstrümpfe weil und breit, nur Rehe, Füchse und eine Handvoll Biker“. Damit erzählt Rudi ausnahmsweise mal nichts Neues. Ob Radfan Hannes Marle vom Tourismusverband, Bikerin Bobs, die im Dorfcafe ein zünftiges Apresbike veranstaltet oder Monika und Georg, die den Gästen des Gasthofs Neuwirt geführte Biketouren anbieten: Wenn sie von ihren Lieblingstouren schwärmen, fällt als erstes immer das Zauberwort Angerlalm. Und als zweites der Name Sepp. Sepp ist als Wirt und Hausherr der Angleram bereits zu einem stehenden Begriff geworden. An der kultverdächtigen und urigen Berghütte ist auch das Ziel der Angerlalm-Trophy, eines lnsider-Hillclimbs, der jedes Jahr im August stattfindet. Die Strecke ist zwar nur sechs Kilometer lang, aber die 500 Meter Höhenunterschied fordern ihren Tribut. Sepp kümmert sich am Ziel um das körperliche Wohl der Racebiker. „Wir haben nicht nur die Jausen gegen den Hunger, Apfelschorle gegen den Durst, sondern auch das Passende, um müde Lebensgeister zu reanimieren.“ Fröhlich lächelnd schwenkt Sepp eine volle Pulle mit klarem Inhalt – 45 prozentiger Hausbrand.

Nicht nur das Rennen endet hier, sondern auch so manche Biketour. Draußen ziehen inzwischen schwarze Wolken auf, und es beginnt zu tröpfeln. Ein Grund mehr, den Aufenthalt zu verlängern. „Das geht schnell vorbei, genauso schnell, wie es gekommen ist“, prophezeit der Wirt. „Hier am Nordrand der Alpen ändert sich das Wetter ziemlich schnell.“ Er hat recht. Bald lugt die Sonne hinter der letzten Wolke hervor – zu spät, um die geplante Tour noch fortzusetzen. Außerdem kreuzt Sepp mit der nächsten Flasche auf. Der Abend wird lang, sehr lang. Und er endet, nach einer vorsichtig tastenden Abfahrt, in Kirchdorf. Wir schauen uns ein letztes Mal um, huldigen dem Kaiser. Und der ist, Ton in Ton mit dem Sonnenuntergang, in ein rosarotes Nachthemd geschlüpft. Der grobe Klotz, er hat halt doch seine weichen Seiten.

Video Mountainbiken Wilder Kaiser

Bilder Mountainbiken Wilder Kaiser

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Mountainbiken Wilder Kaiser - für Radfahrer und Mountainbiker gibt es im Wilden Kaiser viel zu erleben. Auf 180 km gut ausgeschilderten Radwegen erleben Sie die Schönheit der Natur zu Füßen des Kaisergebirges.

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